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Bagno di Romagna-Ravenna

Sehr schöne Fahrt auf den Pass, nur ca. 300 Höhenmeter bei perfektem Wetter. Oben angekommen, hatte ich eine schöne Sicht auf die Berge und über 700 Höhenmeter zu verlieren bis Ravenna. Die ersten 500 waren auf einer wenig befahrenen Strasse bis zur kleinen Ortschaft Santa Sofia schnell weg. Danach ging es fast flach weiter auf einer grösseren Strasse. Der Verkehr hielt sich zum Glück auch auf dieser in Grenzen. Nach einigen Kilometern gab es einen Seitenstreifen. Als ich, in der Poebene angekommen, die Berge für’s erste hinter mir hatte, verliess meine Route die grosse Strasse und führte meist schnurgerade durch das flache Agrarland. Alle 200m war ein Haus oder ein Bauernhof, so dass es schwierig wurde, irgendwo das überflüssige Wasser loszuwerden. Auch sonst, hatte ich schon nach wenigen km Geradeausfahrt genug von der Ebene und sehnte mich nach Abwechslung. Irgendwann kam endlich mal eine Kurve, über die ich mich sehr freute. Bis Ravenna passierte nicht mehr viel. Die angepeilte Jugi war geschlossen. Insgeheim freute ich mich darüber, denn das stattdessen ausgesuchte Hotel war näher am Zentrum.

Als ich nach dem Duschen das Hotel verliess, war die Stadt in dichten Nebel gehüllt. Dunkel war es auch schon.

Beim Abendessen kam ich mit Mattia, einem jungen im Tessin wohnhaften Italiener, ins Gespräch. Er war auch allein in den Ferien, irgendwas religiöses. Er hatte noch kein Hotel für die Nacht, also empfahl ich ihm meins. War aber kein Zimmer mehr frei. Also bot ich ihm an, mein Zimmer zu teilen, es hatte ja zwei Einzelbetten. Er freute sich und schnarchte nicht.

Ravenna hat mich auch am nächsten Morgen nicht extrem begeistert. Es ist ganz nett, aber in Italien hängt die Städte-Messlatte hoch. Velofreundlich ist es zwar und es fahren auch sehr viele Leute Fahrrad.

Arezzo-Bagno di Romagna

Zuerst Piazza Grande und Kathedrale nochmals bei Tageslicht angeschaut. Dann, bei zähem Hochnebel los. Zuerst recht flach, ziemlich viel befahrene Strasse die ersten 8km. Auch viele Lastwagen und kein Seitenstreifen.

Dann Abgang von der grösseren Strasse auf eine mehr oder weniger parallel verlaufende kleinere mit fast gar keinem Verkehr. Sehr schön, trotz Hochnebel. Unterwegs noch Wasser und Tabletten gegen Knieschmerzen gekauft, hoffentlich helfen die. Nach 16km wieder für 6 weitere km leider auf der grossen Strasse bis nach Bibbiena, einer auf einem Hügel gelegenen Kleinstadt. Dort Fertigpiadina und Fertigsuppe gegessen (na super, naja die Piadina war ganz ok).

Danach auf wenig befahrener Strasse, die nun stetig und gleichmässig anstieg bis zum Mandrioli-Pass von 300 auf 1170m.ü.M. hinauf. War sehr angenehm und schön. Strasse ging meist durch Wälder, die aber fast kein Laub mehr hatten. Deshalb konnte ich die Sonne, die in der Zwischenzeit herausgekommen war (Jupi!) während der Fahrt geniessen und ausserdem mein Tenue erleichtern. Mütze, Halstuch und zweiter Pulli kamen weg. Oben auf dem Pass hat einer von zwei Wanderern von mir und der Tafel ein Foto gemacht. Die fanden, Neapel sei ja mächtig weit für eine Velotour. Naja, geht so.

Wenig später kam schon die Ortstafel von Bagno di Romagna. Dort war auch angegeben, dass dieser Ort eine Schwesterstadt von Rapperswil ist. Das hat mich gefreut. Wieso weiss ich auch nicht. Wahrscheinlich Heimweh. Danach Abfahrt durch die Wälder mit teilweise spektakulärer Aussicht in die Täler und auf die anderen Berge. An einer Stelle haben sie für die Strasse den mürben Fels dutzende Meter hoch und breit weggefräst. Gleich nach der Ankunft beim vorher gebuchten Hotel das Velo geputzt, war ja schon früh da. Seit dem Abfahrtstag von Neapel mit den vielen Pfützen auf den Feldwegen, sah es ziemlich schmutzig aus und tat mir leid.

Danach ins Thermalbad, der Ort heisst nicht umsonst Bagno di Romagna. War ganz nett, Innen- und Aussenbecken, Wasser ca. 37°, nicht zu viele Leute und ein paar Düsen, die mir die Hüfte (in der Hoffnung, das nützte was gegen die Knieschmerzen) und den Nacken massierten.

Perugia-Arezzo

Spoleto-Perugia

Heute begann ich den Tag wieder mit Sightseeing. Ich war ja am Vortag im Dunkeln in Spoleto angekommen und hatte deshalb noch nicht viel von der Stadt gesehen. Deshalb nahm ich mir am Morgen viel Zeit, um die Sehenswürdigkeiten abzuklappern und ziellos in der Altstadt rumzukurven. Besonders gefallen hat mir der Ausblick auf die Kathedrale. Deshalb habe ich ein älteres Paar gebeten, mich vor dieser Aussicht zu fotografieren. Obwohl sich der Herr richtig ins Zeug gelegt hat, ist kein wirklich gutes Foto herausgekommen.

Nach dem kulturellen Teil fuhr ich los, um den Anfang des offiziellen Fahrradwegs Spoleto-Assisi zu finden. Wegen zahlreicher Einbahnstrassen und Treppen, war das gar nicht so einfach. Trotzdem fand ich mich irgendwann auf dem Weg, der zu einem grossen Teil auf einem Damm einem Fluss entlang führte. Da die Route völlig flach verlief, konnte ich durch die Herbstlandschaft mit ihren gelben bis roten Reben, ordentlich Gas geben. Im hübschen Dorf Bevagna machte ich den ersten richtigen Halt und liess mir auf der Piazza bei einem Cappuccino die Sonne ins Gesicht scheinen. Neben mir diskutierte ein Paar auf Englisch, ob eine Veloreise was für sie wäre, mit dem Ergebnis, dass sie das wohl zu anstrengend fänden. Stolz stempelte ich die beiden gleich als Couchpotatoes ab.

Nach Bevagna ging es flach weiter bis die Strasse kurz vor Assisi steil anstieg. Wenigstens hat man so die Höhenmeter schnell hinter sich. Angespornt durch die üblichen fünf Lieder von System Of A Down erreichte ich die Pilgerstadt gut gelaunt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ortschaften auf dieser Reise wimmelte es hier von Touristen. Ich empfand die Atmosphäre ähnlich wie in Santiago de Compostela. Jedenfalls ist Assisi ein sehr schöner Fleck Erde und, wenn einen die Pilger und die skurrilen Singszenen und Gottes-Anflehungen vor der Kathedrale nicht stören, auch auf jeden Fall ein Ziel für einen Tagesausflug. Wie schon in Spoleto, ist die Kathedrale so gelegen, dass man einen grossartigen Ausblick darauf hat.

Obwohl die Sonne schon fast untergegangen war, wollte ich bis Perugia weiter fahren. Deshalb sauste ich schnell den Hügel hinunter und fuhr auf einer Nebenstrasse, die parallel zu einer autobahnähnlichen Schnellstrasse verlief. Hier machte sich die vorgängige Routenplanung mal wieder bezahlt. Wie fast alle schönen Ortschaften in Umbrien, liegt Perugia auf einem Hügel, auf den ich mich zum Ende der Etappe hochquälen durfte. Auch hier war die Strasse wieder ungewohnt steil, wie in Assisi. Kurz nach dem Ortseingang hielt ich an, um mittels Internet eine geeignete Bleibe aufzutreiben.

Im Hotel angekommen, merkte ich, dass ich gar nicht besonders erschöpft war. Anders als an den Vortagen, stürzte ich mich nicht sofort in die Dusche sondern packte gemütlich aus. Dies lag wahrscheinlich daran, dass heute ein besonders warmer Tag gewesen war.

Carsoli-Spoleto: Traumtag mit Traumziel

Während dem Frühstück reservierte ich ein Hotelzimmer in Spoleto, meinem heutigen Tagesziel. Die Route dorthin war mit etwa 100km Länge und 1800 Höhenmetern eher zu viel für eine Tagesetappe aber Spoleto war der nächste Ort, in dem es ein preiswertes Hotel mit guter Bewertung gab. Es gab zwar einige B&B und Agriturismi aber bei denen befürchtete ich das gewohnte Heizungsproblem und das wollte ich vermeiden.

  • schönste Landschaft
  • perfektes Wetter
  • häufig Jacke an und aus
  • Stelle am See wo es nicht mehr weiter ging
  • Schöner Ort „Posticciola“ nach Anstieg nach dem See, Panino mit leckerem Käse
  • Befürchtung Fahren im Dunkeln
  • Letzte ca. 5 km auf Schnellstrasse im Dunkeln. Zum Glück bergab und meist Seitenstreifen
  • Adrenalin->nicht gefroren, Zigi geschnorrt nach der Ankunft

Balsorano-Carsoli: Herbstfarben und Ravioli

Statt Sightseeing verhinderte heute eine durch Waschpulver versaute Tasche die frühe Abfahrt. Schon am Vorabend hatte ich sie von innen ausgespült und zum Trocknen aufgehängt, mangels Wärme aber nicht erfolgreich. Also musste die Tasche erst Mal an der Sonne trocknen und ich hatte somit genug Zeit zu frühstücken. Nach zwei Instant-Cappuccino und einem Tee konnte ich die Tasche wieder füllen und weiter talaufwärts, immer noch dem Liri entlang, aufbrechen.

Das Wetter war sehr gut und ich konnte mit den kurzen Sachen fahren. Ausserdem ging es bergauf was für ausreichende Wärme von innen sorgte. Bis zum Ort Capistrello ging es sanft durch schöne Landschaft bergauf. Immer wieder überquerte die Strasse kleine Bäche, z.B. den “Torrente Maltempo” oder den “Torrente Bonome”. In Capistrello fuhr ich auf der Suche nach einem Restaurant hin und her, gab schliesslich auf und kehrte in einer Bar ein. Einer der anwesenden Herren hatte schon eine kräftige Fahne (es war 12 Uhr), war aber trotzdem in der Lage, mir den Weg zu einem nahegelegenen Restaurant zu weisen. Dort angekommen, gab es leckere Pasta mit frischen Steinpilzen. Danach noch das Hausdessert.

Weiter ging’s ca. 20km über eine dünn besiedelte Hochebene, bevor die Strasse auf den Pass auf 978m.ü.M anstieg. Tönt nach viel, wenn man bedenkt, dass ich ursprünglich in Neapel auf 0 gestartet war, ist aber nicht viel, denn erstens auf mehr als drei Tage verteilt und zweitens ging es nie steil bergauf.
Nach dem Pass ging es meist bergab nach Carsoli, wo ich noch einige Extrakilometer bis zum im Voraus gebuchten Agriturismo machen musste. Die Landschaft vom Pass bis zum Tagesziel hat mir von heute am besten gefallen. Die Wälder waren schon herbstlich bunt, zusätzlich betont durch die unter den dunklen Wolken hervorscheinende Sonne. Auch die heutige Route erwies sich als sehr fahrradfreundlich.

Im Agriturismo musste ich noch etwas auf die heisse Dusche warten, da zuerst das extra für mich eingeschaltete Warmwasser- und Heizsystem warmlaufen musste.

Zum Abendessen gab es im Agriturismo nichts, ich war der einzige Gast. Als ich auf dem Weg zur von den Gastgebern empfohlenen Trattoria, mit dem Velo an der Küche vorbeifuhr kam Francesco, der Chef, heraus und bot an, mich mit seinem Pickup zu fahren. Da das Restaurant etwa 4km und 80 Höhenmeter entfernt war, nahm ich freudig an. Das Essen war ausgezeichnet. Zuerst hatte ich eine Käseplatte mit eingelegten Zucchini und Auberginen und danach die hausgemachten Ravioli, gefüllt mit Ricotta an einer Steinpilzsauce. Da ich danach noch nicht ganz satt war, bestellte ich nochmals eine Portion Ravioli, diesmal mit Burro e Salvia. Wahrscheinlich werden sie noch in Jahren die Geschichte vom Gast erzählen, der zwei Teller Ravioli verschlungen hat.

Cassino-Balsorano: Ein Kloster und eine kalte Nacht

Pünktlich um 7 Uhr erschien ich zum Frühstück. Wie üblich bestand es aus den typisch italienischen verpackten süssen Leckereien. Danach packte ich schnell alles zusammen und freute mich trotz des Nebels, als ich schliesslich wieder auf meinem Fahrrad sass.

Ich war aber nicht so früh aufgestanden um möglichst schnell von meiner Unterkunft wegzukommen, sondern um das Kloster "Montecassino" anzuschauen. Nachdem ich den Ort Cassino (schöne Parks, sonst nichts Besonderes) passiert hatte, erklomm ich den gut 400m höher gelegenen Hügel auf einer Strasse, die sich in Haarnadelkurven den Berg heraufschlängelte, wodurch die Steigung immer angenehm gering blieb. Bald hatte ich eine gute Aussicht auf die umliegende Landschaft, deren Hügel und Berge sich aus dem Nebelmeer erhoben. Kurz vor dem Kloster ging rechts eine Strasse zum polnischen Soldatenfriedhof weg.

Beim Parkplatz schloss ich das Velo an ein Geländer und legte die letzten paar Meter inkl. Gepäck zu Fuss zurück. Dieses konnte ich zum Glück beim Eingang bei der Information deponieren, wo ich für 3 Euro einen Führer kaufte. Eintritt war für die Besichtigung keiner fällig. Fast allein machte ich den Rundgang durch das Kloster. Abgesehen von der Lage und ein paar schönen Mosaiken in der Kathedrale konnte ich nichts Spektakuläres entdecken. Der Ausflug hat sich trotzdem gelohnt. Extra in die Region fahren, nur um das Kloster anzuschauen, würde ich aber nicht.

Nach der Abfahrt zurück nach Cassino gönnte ich mir ein Pannino und einen Espresso und startete zur eigentlichen Tagesetappe, hatte ich doch bis jetzt am heutigen Tag noch keinen Meter Richtung Schweiz gutgemacht. Immer wieder kamen Rennradfahrer entgegen, die mich ausnahmslos musterten und meistens auch grüssten. Ich konnte gut verstehen, dass meine Route auch bei anderen Radfahrern beliebt war, denn heute gab es nichts daran auszusetzen. Wenig Verkehr, meist nur eine einspurige Strasse, immer geteert und in fast immer gutem Zustand. Das Ganze ausserdem in prächtiger Umgebung. Zuerst ging es nicht zu steil bergauf, wieder etwa auf 500 m.ü.M. Nach einer kurzen Abfahrt folgte das hübsche Dorf Atina mit seinem historischen Kern. Von dort ging es weiter bergab und danach meist flach Richtung Sora, von wo aus meine Route auf der Strasse durch das Tal des Flusses “Liri” wieder aufwärts führte.

Für heute hatte ich keine Unterkunft reserviert. Als ich beim kurz vorher auf Tripadvisor entdeckten Bed & Breakfast vor verschlossener Tür stand, stellte sich dies als Fehler heraus. Ich versuchte also mein Glück beim “Locanda da Ponte”, an dem ich etwa zwei Kilometer vorher vorbei gefahren war. Glücklicherweise war dort jemand zu Hause und hatte ein Zimmer für mich, wenn auch ein ungeheiztes. Die Antwort auf meine Frage nach einem Restaurant für das Abendessen fiel leider negativ aus. In der Nebensaison ist hier scheinbar tote Hose. Die nette Dame bot mir aber an, für mich was zuzubereiten, was ich erfreut annahm. Ich hätte ungern nur die mönchgemachten Kekse, die ich am Vormittag im Kloster gekauft hatte, zu Abend gegessen. Die Kälte im Zimmer versuchte ich zu vertreiben, indem ich alle vorhandenen elektrischen Geräte (Fernseher, Laptop, Lampen und den bis oben gefüllten Wasserkocher) einschaltete.

Capua-Cassino: Amphitheater, viel Verkehr, schöne Landschaft

Den Tag, an dem ich nach Cassino fahren wollte, begann ich mit Sightseeing. Im alten Capua gab es einiges zu sehen, ich wählte das Amphitheater aus, in das man mich für 2.50 EUR reinliess. Im Doppelpack dazu gab es auch noch das Museum der Gladiatoren auf dem gleichen Gelände. Beides war mehr oder weniger interessant und so zog ich bald meines Weges. Auch heute war es meist flach. Im Gegensatz zum Vortag folgte meine Route aber der recht vielbefahrenen SS6, die unter anderem nach Rom führte. Ab und zu fragte ich mich, warum all die Autos und Lastwagen nicht die parallel verlaufende A1 nehmen würden. Obwohl ich keine grossen Steigungen zu bewältigen hatte, wurde es um mich herum immer hügeliger, worüber ich mich freute. Zwar deutete das daraufhin, dass ich mich bald bergauf würde quälen müssen, aber ich mag einfach lieber Hügel und Berge statt Ebenen.

Ziemlich früh, etwa um 15 Uhr erreichte ich das Bed & Breakfast „Le Ninfee“. Nach dem Bezug des Zimmers genoss ich auf der Terrasse die Abendsonne und die Aussicht auf die umliegenden Hügel, insbesondere den Montecassino mit seinem weltberühmten Kloster. Hatte ich jedenfalls kurz zuvor dank Wikipedia herausgefunden. Es ist sowohl das Mutterkloster der Benediktiner als auch Schauplatz mehrerer kriegerischer Auseinandersetzungen, zuletzt wurde es im zweiten Weltkrieg komplett zerstört. Nach dem originalgetreuen Wiederaufbau zieht es die Touristen nun wieder scharenweise an.

Napoli-Capua: Schwefeldampf, Abfall und horizontales Gewerbe

Nachdem ich meinen Kram im sehr zentral gelegenen Hotel Bovio Suites zusammengepackt hatte, fuhr ich in westlicher Richtung der Küste entlang. Auf der Piazza dei Plebiscito machte ich einen kurzen Fotostop und nahm bald darauf die leicht ansteigende Strasse nach Possilipo in Angriff. Hatte ich ein Glück, eine so schöne ehrwürdige Stadt mit dem Fahrrad durchqueren zu dürfen! Oben angekommen gab es einige schöne Ausblicke aufs Meer und weniger schöne, dafür umso interessantere, auf ein vor sich hin rottendes Werftgelände. Nach einer kurzen Abfahrt zurück auf Meereshöhe, ging es wenig später wieder bergauf nach Pozzuoli. Dort besichtigte ich den Schwefelvulkan. Dabei handelt es sich um einen Krater, dessen Rand nur noch zu zwei Dritteln vorhanden ist. In seiner Mitte brodelt grauer Schlamm vor sich hin und aus gelb bis rötlich verfärbten Felsen steigt Schwefeldampf auf. Entsprechend riecht es. Als ich mit meinem Fotoapparat bei der grössten Dampfschleuder rumstand, fragte mich eine nette junge Dame ob sie ein Beweisfoto (ich vor dem Dampf) machen solle. Nachdem schliesslich nicht sie, sondern ihr Freund mich extrem vorteilhaft in Szene gesetzt hatte, machte ich auch eins von ihnen.

Die Weiterfahrt führte mich danach durch flaches Gebiet, das für Landwirtschaft und zur offiziellen und inoffiziellen Müllablage verwendet wird. Die von mir am Vortag geplante Route liess mich teilweise auf Wegen fahren die der englischen Bezeichnung „Dirt Road“ alle Ehre machten. Da hatte ich wohl das Umfahren der grösseren Strassen etwas zu gut gemeint. Als weitere Attraktionen neben der Landwirtschaft und dem Müll, sassen ab und zu am Wegesrand leicht bekleidete Damen, die ihre Dienste anboten. Da ich annahm, dass man sich dem Vergnügen mit ihnen nur im eigenen Auto hingeben konnte und ich sowieso gerade wenig Bargeld in der Tasche hatte, musste ich leider unbefriedigt weiterfahren ;)

Wenig später stillte ich meinen Hunger in einer Bäckerei mit einer kleinen Pizza und einer Sfogliatella. Kurz vor Capua türmten sich in der Nähe meines Weges schön mit Erde überdeckte Müllhalden auf, die gerade von Baggern bearbeitet wurden. In der Stadt angekommen, deckte ich mich erst mal mit Bargeld ein. Eine solche Gelegenheit, wie während der heutigen Fahrt, wollte schliesslich ich in Zukunft nicht nochmal verpassen! Danach kaufte ich ein paar Früchte bei einem netten älteren Herrn, mit dem ich mich ein wenig unterhielt. Er schwärmte vom schönen Capua mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten, der Altstadt und dem Museum. Als ich auf der Suche nach dem vorab gebuchten Bed And Breakfast “Masseria della Casa” weiter durch die Altstadt kurvte, hielten mich drei ältere Herren an um mich zu fragen wo ich herkäme. Sie hatten auf Deutschland oder Holland getippt. Nachdem sie die Wahrheit erfahren hatten, begann einer von Ihnen, in gutem Französisch mit mir weiterzusprechen, er hatte seine Jugend in französischsprachigen Ländern verbracht. Sie gaben mir noch den Tipp einer guten Take Away Pizzeria auf den Weg und ich machte mich auf zum etwas ausserhalb gelegenen B&B. Dieses erwies sich als gute Wahl. Sauberes Zimmer, warme Dusche, nur das W-LAN wollte nicht richtig. Naja, dann eben kein Netflix heute Abend.