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Varenna-Sils Maria: Daheim

Die Reparatur des Plattens vom Vorabend war erfolgreich gewesen, die Luft im Reifen geblieben. Heute sah meine Route gleich zu Beginn einen Aufstieg von ca. 200 und später bis zum Malojapass 1600 Höhenmetern vor. Nach der Abfahrt stellte ich nach dem Blick auf die Karte im Navi aber fest, dass ich mir die ersten 200 würde sparen können, da die Hauptstrasse durch einige Tunnels direkt dem See entlang und damit flach verlief. Ermutigt durch die Tunnel-Erfahrung vom Vortag entschied ich mich für diese Abkürzung. Die Tunnels stellten sich dann auch als durchaus velotauglich heraus: zweispurig, durch kurze Unterbrüche meist mit genug Tageslicht und dazu, wahrscheinlich aufgrund der Nebensaison, mit sehr wenig Verkehr. Schnell hatte ich sie hinter mir und konnte mich über die schöne Route dem Ostufer des Comersees entlang erfreuen. Trotz des recht klaren Himmels schafften es leider aufgrund der immer höher werdenden Berge selten Sonnenstrahlen bis zu mir.

Bei einer Apotheke machte ich kurz Halt um die mittlerweile vierte Packung Voltarentabletten zur Linderung meiner Knieschmerzen zu kaufen. Ungefähr ab dem Lago di Mezzola nördlich vom Comersee stiess ich auf den Veloweg „Pista Ciclabile della Valchiavenna“ dem ich bis Chiavenna, froh über die Alternative zur Schnellstrasse, folgte. Auf dem Weg wurde ich von Silvio, einem entgegenkommenden Radfahrer angehalten. Er wollte einiges über mein Velo, insbesondere den Gepäckträger, wissen und wir hatten einen angenehmen Plausch. Er plante, im kommenden Jahr selber eine Tour Italien Nord-Süd, von Chiavenna bis Lampedusa zu unternehmen. Allerdings wollte er im Gegensatz zu mir der Adriaküste folgen.

In Chiavenna machte ich den Mittagshalt um mich für den bevorstehenden Malojapass zu stärken, schliesslich waren noch 1500 Höhenmeter zu bewältigen. In einem hübschen Café in der Altstadt liess ich mir eine Kürbissuppe und eine Piadina schmecken. Um 13 Uhr riss ich mich endlich los, so blieben mir bis Sonnenuntergang noch ca. 3.5 Stunden von denen ich hoffte, dass sie reichen würden. Nach wie vor war ich unsicher, ob der Pass an diesem Tag zu schaffen sein würde. Ich folgte der Passtrasse, es war wenig Verkehr. Zwar gab es rechts daneben die vielversprechende “Via Bregaglia”, eine Nebenstrasse die aber in meiner Karte nicht verzeichnet war, weshalb ich mich nicht traute, darauf zu wechseln.

Als mit dem Hotel “Pranzaira” die letzte geöffnete Unterkunft vor dem Engadin erreicht war, musste ich mich definitiv entscheiden, ob ich hier bleiben, oder die restlichen 600 Höhenmeter auch noch meistern wollte. Angesichts der Uhrzeit entschied ich mich für letzteres.

Die ersten schwyzerdütschen Worte, die ich von Fremden auf der gesamten Reise hörte, waren „Nöd schlächt, häsch es bald gschafft!“ von einem jungen Mann im Dörfchen Casaccia. Mächtig stolz rief ich zurück “Gäll, cha’s au chum glaubä!”. Angespornt durch einen so netten Empfang gab ich den folgenden Serpentinen den Rest und erreichte überglücklich das Ortsschild von Maloja.