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Palazzolo sull'Oglio-Varenna

Unschlüssig, wohin mich die Reise führen sollte, brach ich im Hochnebel auf in Richtung Bergamo. Ich war gut drauf und freute mich darüber, dass die Route bis dorthin entlang eines Radwegs verlief. In Bergamo hatte der Hochnebel leider immer noch nicht der Sonne Platz gemacht. Deshalb hatte ich wenig Lust zu bleiben, auch wenn die Stadt einen schönen und interessanten, weil im Nebel leicht melancholischen, Eindruck machte.

Ich fuhr also weiter, nun musste ich einer von Lastwagen und Autos vielbefahrenen Strasse folgen. Seit meinem Start am Morgen hatte ich stetig Höhe gewonnen, was sich nun in Form von weniger Hochnebel und zeitweisen Sonnenstrahlen bezahlt machte. Die Hügel, die seit gestern die Alpen angekündigt hatten, machten immer mehr richtigen Bergen Platz. Nach dem Überqueren einer Brücke über den Fluss Adda konnte ich wieder auf einen Radweg einspuren und gleichzeitig setzte sich die Sonne endgültig durch. Was für ein Glück! Auch Brivio, das Dorf in dem ich mich gerade befand, passte mit seinem alten Kern zur malerischen Lage. Angespornt durch all die positiven Eindrücke, drückte ich auf dem von Laub bedeckten Schotterweg entlang dem Fluss ordentlich auf die Tube. Bald wurde aus dem Fluss ein See, der “Lago di Garlate”, nach einer kurzen Verengung wurde daraus der Comersee.

Auf der Strasse nach Bellagio musste ich zwei Tunnels befahren. Sie waren zum Glück beleuchtet, nicht sehr lang und zweispurig. Eine Velospur oder ähnliches gab es aber nicht. Nach den Tunnels und einigen Kilometern ausgelassener Fahrt auf der sehr schön gelegenen Strasse entlang des Sees, stand ich plötzlich vor einem Eisengitter und zwei Tafeln, die besagten, dass es bis 17:45 nicht weiter gehen würde. Die Strasse war wegen Bauarbeiten geschlossen. Das passte nun gar nicht in meinen Plan. Dieser sah nämlich vor, die Alpen in den nächsten vier Tagen gemeistert zu haben, da danach die Temperaturen empfindlich sinken sollten. Aufgrund dieses Zeitdrucks wollte ich heute mindestens bis Bellagio gelangen. Ich hatte aber Glück, nach einiger Zeit Zaun-Anstarren kam von der anderen Seite ein Bau-Lastwagen. Der Fahrer hielt an, stieg aus und öffnete für sich das Gitter. Da er meine Frage, ob ich mit dem Fahrrad durchdürfte, bejahte, sass ich wenig später wieder im Sattel und fuhr an der Baustelle vorbei. Bald darauf erreichte ich den kleinen Fährenanleger und kaufte mir und dem Velo eine Fahrkarte nach Varenna am gegenüberliegenden Seeufer.

Als ich mich nach einiger Wartezeit und einer kurzen Überfahrt wieder aufs Fahrrad geschwungen hatte, stellte ich fest, dass dem Hinterrad der Grossteil der Luft abhanden gekommen war. Na toll. Immerhin war für heute sowieso Schluss, wenige hundert Meter von der Anlegestelle war meine Unterkunft. Dort angekommen, wies mich der nette Hotelinhaber nach dem Einchecken in die Garage, wo ich mein Fahrrad reparieren durfte.