RSS

Napoli-Capua: Schwefeldampf, Abfall und horizontales Gewerbe

Nachdem ich meinen Kram im sehr zentral gelegenen Hotel Bovio Suites zusammengepackt hatte, fuhr ich in westlicher Richtung der Küste entlang. Auf der Piazza dei Plebiscito machte ich einen kurzen Fotostop und nahm bald darauf die leicht ansteigende Strasse nach Possilipo in Angriff. Hatte ich ein Glück, eine so schöne ehrwürdige Stadt mit dem Fahrrad durchqueren zu dürfen! Oben angekommen gab es einige schöne Ausblicke aufs Meer und weniger schöne, dafür umso interessantere, auf ein vor sich hin rottendes Werftgelände. Nach einer kurzen Abfahrt zurück auf Meereshöhe, ging es wenig später wieder bergauf nach Pozzuoli. Dort besichtigte ich den Schwefelvulkan. Dabei handelt es sich um einen Krater, dessen Rand nur noch zu zwei Dritteln vorhanden ist. In seiner Mitte brodelt grauer Schlamm vor sich hin und aus gelb bis rötlich verfärbten Felsen steigt Schwefeldampf auf. Entsprechend riecht es. Als ich mit meinem Fotoapparat bei der grössten Dampfschleuder rumstand, fragte mich eine nette junge Dame ob sie ein Beweisfoto (ich vor dem Dampf) machen solle. Nachdem schliesslich nicht sie, sondern ihr Freund mich extrem vorteilhaft in Szene gesetzt hatte, machte ich auch eins von ihnen.

Die Weiterfahrt führte mich danach durch flaches Gebiet, das für Landwirtschaft und zur offiziellen und inoffiziellen Müllablage verwendet wird. Die von mir am Vortag geplante Route liess mich teilweise auf Wegen fahren die der englischen Bezeichnung „Dirt Road“ alle Ehre machten. Da hatte ich wohl das Umfahren der grösseren Strassen etwas zu gut gemeint. Als weitere Attraktionen neben der Landwirtschaft und dem Müll, sassen ab und zu am Wegesrand leicht bekleidete Damen, die ihre Dienste anboten. Da ich annahm, dass man sich dem Vergnügen mit ihnen nur im eigenen Auto hingeben konnte und ich sowieso gerade wenig Bargeld in der Tasche hatte, musste ich leider unbefriedigt weiterfahren ;)

Wenig später stillte ich meinen Hunger in einer Bäckerei mit einer kleinen Pizza und einer Sfogliatella. Kurz vor Capua türmten sich in der Nähe meines Weges schön mit Erde überdeckte Müllhalden auf, die gerade von Baggern bearbeitet wurden. In der Stadt angekommen, deckte ich mich erst mal mit Bargeld ein. Eine solche Gelegenheit, wie während der heutigen Fahrt, wollte schliesslich ich in Zukunft nicht nochmal verpassen! Danach kaufte ich ein paar Früchte bei einem netten älteren Herrn, mit dem ich mich ein wenig unterhielt. Er schwärmte vom schönen Capua mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten, der Altstadt und dem Museum. Als ich auf der Suche nach dem vorab gebuchten Bed And Breakfast “Masseria della Casa” weiter durch die Altstadt kurvte, hielten mich drei ältere Herren an um mich zu fragen wo ich herkäme. Sie hatten auf Deutschland oder Holland getippt. Nachdem sie die Wahrheit erfahren hatten, begann einer von Ihnen, in gutem Französisch mit mir weiterzusprechen, er hatte seine Jugend in französischsprachigen Ländern verbracht. Sie gaben mir noch den Tipp einer guten Take Away Pizzeria auf den Weg und ich machte mich auf zum etwas ausserhalb gelegenen B&B. Dieses erwies sich als gute Wahl. Sauberes Zimmer, warme Dusche, nur das W-LAN wollte nicht richtig. Naja, dann eben kein Netflix heute Abend.