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Cassino-Balsorano: Ein Kloster und eine kalte Nacht

Pünktlich um 7 Uhr erschien ich zum Frühstück. Wie üblich bestand es aus den typisch italienischen verpackten süssen Leckereien. Danach packte ich schnell alles zusammen und freute mich trotz des Nebels, als ich schliesslich wieder auf meinem Fahrrad sass.

Ich war aber nicht so früh aufgestanden um möglichst schnell von meiner Unterkunft wegzukommen, sondern um das Kloster "Montecassino" anzuschauen. Nachdem ich den Ort Cassino (schöne Parks, sonst nichts Besonderes) passiert hatte, erklomm ich den gut 400m höher gelegenen Hügel auf einer Strasse, die sich in Haarnadelkurven den Berg heraufschlängelte, wodurch die Steigung immer angenehm gering blieb. Bald hatte ich eine gute Aussicht auf die umliegende Landschaft, deren Hügel und Berge sich aus dem Nebelmeer erhoben. Kurz vor dem Kloster ging rechts eine Strasse zum polnischen Soldatenfriedhof weg.

Beim Parkplatz schloss ich das Velo an ein Geländer und legte die letzten paar Meter inkl. Gepäck zu Fuss zurück. Dieses konnte ich zum Glück beim Eingang bei der Information deponieren, wo ich für 3 Euro einen Führer kaufte. Eintritt war für die Besichtigung keiner fällig. Fast allein machte ich den Rundgang durch das Kloster. Abgesehen von der Lage und ein paar schönen Mosaiken in der Kathedrale konnte ich nichts Spektakuläres entdecken. Der Ausflug hat sich trotzdem gelohnt. Extra in die Region fahren, nur um das Kloster anzuschauen, würde ich aber nicht.

Nach der Abfahrt zurück nach Cassino gönnte ich mir ein Pannino und einen Espresso und startete zur eigentlichen Tagesetappe, hatte ich doch bis jetzt am heutigen Tag noch keinen Meter Richtung Schweiz gutgemacht. Immer wieder kamen Rennradfahrer entgegen, die mich ausnahmslos musterten und meistens auch grüssten. Ich konnte gut verstehen, dass meine Route auch bei anderen Radfahrern beliebt war, denn heute gab es nichts daran auszusetzen. Wenig Verkehr, meist nur eine einspurige Strasse, immer geteert und in fast immer gutem Zustand. Das Ganze ausserdem in prächtiger Umgebung. Zuerst ging es nicht zu steil bergauf, wieder etwa auf 500 m.ü.M. Nach einer kurzen Abfahrt folgte das hübsche Dorf Atina mit seinem historischen Kern. Von dort ging es weiter bergab und danach meist flach Richtung Sora, von wo aus meine Route auf der Strasse durch das Tal des Flusses “Liri” wieder aufwärts führte.

Für heute hatte ich keine Unterkunft reserviert. Als ich beim kurz vorher auf Tripadvisor entdeckten Bed & Breakfast vor verschlossener Tür stand, stellte sich dies als Fehler heraus. Ich versuchte also mein Glück beim “Locanda da Ponte”, an dem ich etwa zwei Kilometer vorher vorbei gefahren war. Glücklicherweise war dort jemand zu Hause und hatte ein Zimmer für mich, wenn auch ein ungeheiztes. Die Antwort auf meine Frage nach einem Restaurant für das Abendessen fiel leider negativ aus. In der Nebensaison ist hier scheinbar tote Hose. Die nette Dame bot mir aber an, für mich was zuzubereiten, was ich erfreut annahm. Ich hätte ungern nur die mönchgemachten Kekse, die ich am Vormittag im Kloster gekauft hatte, zu Abend gegessen. Die Kälte im Zimmer versuchte ich zu vertreiben, indem ich alle vorhandenen elektrischen Geräte (Fernseher, Laptop, Lampen und den bis oben gefüllten Wasserkocher) einschaltete.