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Balsorano-Carsoli: Herbstfarben und Ravioli

Statt Sightseeing verhinderte heute eine durch Waschpulver versaute Tasche die frühe Abfahrt. Schon am Vorabend hatte ich sie von innen ausgespült und zum Trocknen aufgehängt, mangels Wärme aber nicht erfolgreich. Also musste die Tasche erst Mal an der Sonne trocknen und ich hatte somit genug Zeit zu frühstücken. Nach zwei Instant-Cappuccino und einem Tee konnte ich die Tasche wieder füllen und weiter talaufwärts, immer noch dem Liri entlang, aufbrechen.

Das Wetter war sehr gut und ich konnte mit den kurzen Sachen fahren. Ausserdem ging es bergauf was für ausreichende Wärme von innen sorgte. Bis zum Ort Capistrello ging es sanft durch schöne Landschaft bergauf. Immer wieder überquerte die Strasse kleine Bäche, z.B. den “Torrente Maltempo” oder den “Torrente Bonome”. In Capistrello fuhr ich auf der Suche nach einem Restaurant hin und her, gab schliesslich auf und kehrte in einer Bar ein. Einer der anwesenden Herren hatte schon eine kräftige Fahne (es war 12 Uhr), war aber trotzdem in der Lage, mir den Weg zu einem nahegelegenen Restaurant zu weisen. Dort angekommen, gab es leckere Pasta mit frischen Steinpilzen. Danach noch das Hausdessert.

Weiter ging’s ca. 20km über eine dünn besiedelte Hochebene, bevor die Strasse auf den Pass auf 978m.ü.M anstieg. Tönt nach viel, wenn man bedenkt, dass ich ursprünglich in Neapel auf 0 gestartet war, ist aber nicht viel, denn erstens auf mehr als drei Tage verteilt und zweitens ging es nie steil bergauf.
Nach dem Pass ging es meist bergab nach Carsoli, wo ich noch einige Extrakilometer bis zum im Voraus gebuchten Agriturismo machen musste. Die Landschaft vom Pass bis zum Tagesziel hat mir von heute am besten gefallen. Die Wälder waren schon herbstlich bunt, zusätzlich betont durch die unter den dunklen Wolken hervorscheinende Sonne. Auch die heutige Route erwies sich als sehr fahrradfreundlich.

Im Agriturismo musste ich noch etwas auf die heisse Dusche warten, da zuerst das extra für mich eingeschaltete Warmwasser- und Heizsystem warmlaufen musste.

Zum Abendessen gab es im Agriturismo nichts, ich war der einzige Gast. Als ich auf dem Weg zur von den Gastgebern empfohlenen Trattoria, mit dem Velo an der Küche vorbeifuhr kam Francesco, der Chef, heraus und bot an, mich mit seinem Pickup zu fahren. Da das Restaurant etwa 4km und 80 Höhenmeter entfernt war, nahm ich freudig an. Das Essen war ausgezeichnet. Zuerst hatte ich eine Käseplatte mit eingelegten Zucchini und Auberginen und danach die hausgemachten Ravioli, gefüllt mit Ricotta an einer Steinpilzsauce. Da ich danach noch nicht ganz satt war, bestellte ich nochmals eine Portion Ravioli, diesmal mit Burro e Salvia. Wahrscheinlich werden sie noch in Jahren die Geschichte vom Gast erzählen, der zwei Teller Ravioli verschlungen hat.